Studienweblog zum Thema Filmpromotion und PR im Zeitalter von Web 2.0. Neue Trends in der modernen Filmkommunikation
Saturday, November 21, 2009
2012 in der U-Bahn
Ich blogge normalerweise nicht über klassische Außenwerbeplakate, die auf gewöhnliche Weise den Passanten dazu verführen sollen, ins Kino zu gehen. Ab und an kommt es dann aber vor, dass Plakataktionen meine Aufmerksamkeit erregen.
Das etwas merkwürdig und angsteinflößend erweiterte Plakat wurde in Brasilien in der U-Bahnstation Cantagalo in Copacabana, Rio de Janeiro platziert und erfüllt aus meiner Sicht sehr genial seinen Zweck für den Weltuntergangsfilm.
Der Claim der niederländische Firma YellowBird hält was er verspricht. Die Holländer haben eine Technologie entwickelt, die Videobeiträge und Videoübertragungen in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt.
Auf der Website stellen die Entwickler sich selbst und ihre Technologie vor.
Der Clou: Man kann den Blickwinkel des Videos in jeder Situation durch Drag & Drop mit der Maus verändern, ohne dabei das Video stoppen zu müssen.
Um das Phänomen am besten zu verstehen, hier das Demovideo damit man sich selbst einen Eindruck davon machen kann, wie Videos im Web in Zukunft aussehen könnten.
Wer Microsoft Photosynth kennt, weiß, wozu man mittlerweile im Bildbereich in der Lage ist. Auch der Software-Gigant arbeitet derzeit an der Videoversion von Photosynth, mit der diverse Videoaufnahmen aus verschiedenen Winkel zu einem Video zusammengefasst werden.
Das Ganze geschieht am Microsoft Innovation Lab in Kairo. Die entwickelte Technologie lässt es zu, Handyvideos in Echtzeit im Stil von Photosynth miteinander zu kombinieren. Langfristig besteht damit die Möglichkeit, beispielsweise von Konzerten oder Sportereignissen Livestreams anzubieten, die aus den verschiedenen Handyvideos der Besucher zusammengesetzt sind. Durch die Kombination können auch Panoramaansichten möglich werden, die mit herkömmlicher Videotechnologie nur schwer erzielt werden können.
Hier haben wir zwei exzellente Beispiele, wie (kollaboratives) 360 Grad Filmerleben in Zukunft aussehen wird. Ich bin gespannt auf die nächsten Monate, in denen wir definitiv die ersten Anwendungen aus diesem Bereich auf dem Markt beobachten werden.
Gestern wurde ich auf eine ziemlich geniale Social Media Aktion des Möbelherstellers IKEA aufmerksam gemacht, die sich aus meiner Sicht auf alle Branchen, insbesondere aber auch auf die Entertainmentindustrie umlegen lässt und wenig bis gar kein Budget in Anspruch nimmt.
Ich nenne das Phänomen Tagvertising. Zur Feier der großen Filialeröffnung in Malmö hat IKEA ein Profil des Filialleiters Gordon Gustavsson erstellt. Von diesem Profil aus wurden innerhalb von zwei Wochen insgesamt 12 Fotos von Ausstellungsräumen des neuen Stores hochgeladen. Die ersten Nutzer, die ein darauf zu sehendes Möbelstück mit ihrem Namen taggten, bekamen dieses gratis zugeschickt. Mittlerweile ist die Aktion weltweit bekannt, und die bisher leer ausgegangenen Facebook-Nutzer fordern stets neue Bilder von dem Filialleiter.
Übertragen auf die Filmindustrie könnte ein Case wie folgt aussehen: Man lädt einzelne Szenenfotos (bevorzugt jene, in denen möglichst viele Objekte, die per Product Placement in den Film gekauft wurden, zu sehen sind) über das Profil hoch und lässt die User anschließend taggen was das Zeug hält. Auch eine Erweiterung in Richtung Meet & Greet ist möglich. Wer den Star zuerst mit seinem Namen taggt darf an der Premiere teilnehmen oder kann sogar ein persönliches Treffen gewinnen!
Wenn es um das Thema Tagvertising geht und darum, die Aktion von IKEA noch attraktiver für User zu gestalten, kommt die Firma Udorse ins Spiel.
Das amerikanische Unternehmen hat ein Tool für Facebook entwickelt, das es Nutzern erlaubt, auf Fotos wiedererkannte Marken durch einen Link hervorzuheben, sodass auf einem Urlaubsfoto beispielsweise auf Hotelbetreiber verwiesen werden kann. Wenn über den Link etwas gekauft oder gebucht wird, hat der Nutzer, der den Link gesetzt hat, die Option, einen Teil der Einnahmen via PayPal ausgezahlt zu bekommen oder zu spenden.
Im Film geht es um den Untergang der Welt wie wir sie kennen, der in vielen Quellen, allen voran von den Mayas, für das Jahr 2012 vorhergesagt wird.
Dazu hat Sony für den Film die Marketingmaschine angeworfen und eine Art Online-Alternate Reality Game initiiert, das aus divsersen Websites besteht (neben der offiziellen deutschen Website zum Film, der offiziellen US-Website und den Profilen in den gängigen Social Networks gibt es noch den von Woody Harrelsons Charakter betriebenen Weblog Thisistheend.com und die Website des Institute for Human Continuity), die sich mal mehr mal weniger mit dem Thema Weltuntergang im Jahr 2012 beschäftigen.
Das beeindruckendste an der Kampagne war aber zweifelsohne die gleichzeitige Schaltung eines Spots auf 450 TV-Kanälen in den USA am 1. Oktober. Zu sehen war eine Filmszene aus, die die Zerstörung von Los Angeles zeigte und der man im Stile von Breaking News nicht einmal durch Umschalten entgehen konnte. Leider konnte ich den Clip nicht mehr auf YouTube finden. Für sachdienliche Hinweise bin ich sehr empfänglich.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass besonders im Online-Bereich ruhig etwas mehr mit der Verschmelzung von Fiktion und Realität gearbeitet hätte werden dürfen, wie das wohl mit dem TV-Spot passiert ist. Da bereits auf den ersten Blick klar ist, dass es sich um gefälschte bzw. fiktive, extra für den Film angelegte Websites handelt, geht ein großer Teil der Spannung verloren und damit auch die Lust, sich auf das vom Film geschaffene Paralleluniversum (das eventuell bald zur bösen Realität wird) einzulassen.
Da sich das Thema aus meiner Sicht in den nächsten Wochen und Monaten zum großen Hype entwickeln wird, werde ich nicht mehr bei jedem einzelnen DVD Cover mit Augmented Reality Verbindung ein Posting schreiben.
Wieder ist es die französische Firma Total Immersion (von denen ich auch die Bilder habe), die für die Technologie verantwortlich zeichnet und Paramount als Filmstudio, das sich auf dem Gebiet des Augmented Packagings im Entertainment Bereich als First Mover etabliert hat.
Hat man die DVD gekauft, kann man bei aktivierter Webcam auf die Website zur Aktion klicken und gelangt zu einem kleinen Spiel, bei dem man mit einfachen Tastenkombinationen eine Art Nahkampf simuliert. Über die Sinnhaftigkeit eines solchen Microgames kann man sich jedoch noch Gedanken machen. Aus meiner Sicht wäre ein Trailer oder sonstiger exklusiver Bewegtbildinhalt (zum Beispiel ein paar einleitende Worte des Regisseurs oder Deleted Scenes etc.) wesentlich spannender.
Eine Kollegin hat mir gerade einen interessanten Link zugeschickt, in dem es um ein neues Projekt des amerikanischen TV-Senders CBS geht.
Der höchst erfolgreiche Twitteraccount von Justin Halpern unter dem Namen 'The Shit My Dad Says' verzeichnet mittlerweile über 713.000 Followers. Der 29-jährige Amerikaner wohnt mit seinem über 70-jährigen Vater zusammen in San Diego und twittert regelmäßig die äußerst komischen Aussagen seines älteren Mitbewohners.
Das hat nicht nur zu einem Buchvertrag mit dem amerikanischen Verlag HarperCollins geführt, sondern nun klingelte auch der TV-Sender CBS an und möchte aus Halperns witzigen Tweets eine Sitcom kreieren. Realisiert wird das Projekt von den Produzenten der erfolgreichen Sitcom "Will & Grace". Wann genau die Serie auf Sendung gehen wird und welchen Titel sie tragen wird konnte ich leider nicht herausfinden. Fest steht allerdings, dass mit über 700.000 Followers bereits eine anständige Fanbase geschaffen ist, die auf jeden Fall kurzfristig für einen Hype der Serie sorgen wird.
Um den Film innovativ zu bewerben bzw. interaktive Features zu ermöglichen, hat der Frankfurter Verleih zwei interessante Aktionen auf der Website zum Film gestartet, die ich hier gerne vorstellen möchte.
Die Homepage linkt zum einen auf eine Augmented Reality Aktion, bei der man sich das Originalposter inklusive Augmented Reality Marker als PDF downloaden um dann mit der Webcam 3D Objekte wie zum Beispiel den Dinosaurier zu betrachten oder auch den Trailer zum Film noch einmal virtuell zu sehen.
Doch damit nicht genug. Erstmals in Deutschland bietet Fox mit dem Programm Fox Pop für Nachts im Museum 2 die Möglichkeit, über iPhone oder Computer Zusatzinfos zum Film an bestimmten Stellen automatisiert abzurufen.
Auf der Website kann man nach dem Intro-Video (sollte man sich ansehen) aussuchen, ob man das Programm für sein iPhone oder den Computer nutzen möchte und wird direkt in den iTunes Store oder zum Download des Programms für den Computer geleitet.
Einmal gestartet, synchronisiert sich das Programm mit der Audiospur des Films und spielt an bestimmten Stellen entsprechende Informationen oder interaktive Element auf dem iPhone oder dem Computer ein. Mich erinnert dieses Programm an die erfolgreiche iPhone App Shazam, die Songs aus der Umgebung erkennt und dann die Infos über Titel, Artist und Albumtitel einblendet und den Link zum iTunes-Store mitliefert.
Fox Pop ist deswegen toll, weil das normale Filmerlebnis für diejenigen, die nicht interagieren wollen, sondern den Film klassisch sehen wollen, nicht gestört wird. Andere Personen, die interaktive Elemente haben wollen um diese dann mit ihrer Community über das mobile Endgerät auszutauschen, werden ebenfalls bedient und bekommen so eine neuartige Möglichkeit geboten, in einen Film einzutauchen.
Der DVD-Release von Transformers: Revenge of the Fallen steht an, und in diesem Zusammenhang startet die Agentur InPromo aus Hamburg heute in fünf deutschen Städten (Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Köln) eine Aktion für Paramount, deren zentraler Kanal Twitter ist.
Bis zum 16. November läuft die Aktion, die als weltweit erste Twitter-Hunt bezeichnet wird und bei der sich die Mitspieler auf die Jagd nach den Transformers begeben müssen.
Der genaue Ablauf sieht wie folgt aus: In den Städten wird jeweils ein Objekt im öffentlichen Raum mit einem Decepticon- oder Autobot-Sticker als Transformer gekennzeichnet. Üeber den Paramount Twitter-Kanal werden jeden Tag Hinweise auf den jeweiligen Standort der versteckten Transformers an die Twitter-Gemeinde verbreitet.
Wer den realen Transformer entdeckt hat und als erster ein Foto des Fundortes inklusive Sticker bei Twitter hochlädt und die Info per Direct Message an Paramount schickt, ist der Sieger und gewinnt eine PlayStation 3 oder einen Blu-ray Player inklusive Film und Game.
Ich bin Fan visionärer Ideen die das Thema Future Interface bzw. Future Output Devices betreffen.
In vielen Filmen gibt es interessante Ansätze, die zeigen, wohin die Reise gehen kann. Natürlich kennt jeder die Displays aus Minority Report und auch in Avatar kommen ähnlich futuristische Geräte zum Einsatz, wie man in den ersten 20 Minuten, die im Rahmen des Avatar gezeigt wurde, zu sehen bekam.
Keine Science Fiction ist die neueste Entwicklung von Microsoft, über die ich gerade auf Golem gelesen habe. Craig Mundie von Microsoft präsentierte vor kurzem in Cambridge eine neue Entwicklung des Software-Giganten, die eine völlig neue Interaktion mit dem Computer zulässt. Eine Kamera die die Augenbewegungen trackt sowie Spracherkennung und Autotextvervollständigung stellen dabei die zentralen Elemente dar.
Nicht auszudenken, was damit alles in Zukunft möglich sein wird. Mich hat diese neue Eingabemöglichkeit vor allem an Project Natal erinnert, von dem sich die Entwickler rund um Craig Mundie hausintern vermutlich einiges abgeschaut hatten. Hier noch einmal das Video zu Natal zum Vergleich
Und zu Milo ist es dann auch kein großer Schritt mehr
Mein Name ist Norbert Hillinger. Ich bin mittlerweile 25 Jahre alt und komme aus Gmunden in Oberösterreich. Im Juli 2007 habe ich mein "Journalismus und Unternehmenskommunikation"-Studium an der FH JOANNEUM in Graz abgeschlossen. Seit September 2007 arbeite ich in Berlin bei der Agentur TrendONE als Trendforscher und Berater für die Bereiche Filmpromotion 2.0/3.0 und Future TV.
BUCHTIPPS Malcolm Gladwell schreibt in "Der Tipping Point. Wie kleine Dinge Großes bewirken können" über das Phänomen der Mundpropaganda und wie sie über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
Patrick Vonderau und Vinzenz Hediger vereinen in Ihrem Sammelband "Demnächst in ihrem Kino. Grundlagen der Filmwerbung und Filmvermarktung" Aufsätze bekannter Filmvermarktungsexperten zum Thema Filmwerbung und Filmpromotion.
Holm Friebe und Sascha Lobo zeichnen in Ihrem Buch "Wir nennen es Arbeit" das Porträt der modernen Arbeitsgesellschaft und gehen dabei auch auf die Themen Social Media, Web 2.0 etc. ein.
Wired-Redakteur Chris Anderson schrieb "The Long Tail - Der lange Schwanz" bereits vor einigen Jahren. Jetzt gibt es den Klassiker auch auf deutsch.
Rick Levine, Christopher Locke, David Weinberger und Doc Searls schrieben "Das Cluetrain Manifest. 95 Thesen für die neue Unternehmenskultur im digitalen Zeitalter" bereits lange Zeit vor Web 2.0. Doch erst jetzt werden die Thesen hochaktuell!
Robert Marich über "Marketing to Moviegoers" - Persönlich noch nicht gelesen aber bald
Daniela Kloocks Sammelband bietet interessante Beiträge u.a. von Thomas Elsaesser, Peter Glaser und Tom Tykwer zum Thema Zukunft Kino und Film-Gaming-Konvergenz
Don Tapscott über die Öknomie im Web 2.0 und ihre Öffnung dem User gegenüber - Wikinomics eben